Durch den Tunnel aus Kirschblüten
Hubert Karl durchquert zum sechsten Mal Japan

Sakura michi
– hinter diesem geheimnisvoll klingenden Namen verbirgt sich die Kirschblütenstrasse, ein 250 km langer Weg, der von der am Pazifik gelegenen, drittgrößten Metropole Nagoya, bis zur Stadt Kanazawa, die am japanischen Meer liegt.

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Von besonderer Bedeutung
Der Sakura michi wurde in Gedenken an Herrn Roiji Sato am vergangenen Wochenende zum 19. Mal durchgeführt. Herr Sato war Busfahrer auf der so genannten Sakura-Road, die die beiden oben erwähnten Hafenstädte verbindet, und er liebte, wie viele Japaner, die Kirschblüte so sehr, dass er davon träumte, durch einen „Tunnel aus Kirschblüten“ zu fahren.
Er plante, entlang der Strecke 2000 Kirschbäume zu pflanzen. Die Blüte der Kirschbäume ist in Japan von besonderer Bedeutung. Sie steht für Schönheit, Beginn und Vergänglichkeit, sie ist Höhepunkt des japanischen Kalenders, markiert den Beginn des Frühlings und wird von der Bevölkerung unter großer Anteilnahme gefeiert. Es ist kein Zufall, dass gerade in Japan, wo Zerstörungen durch Naturgewalten und Wiederaufbau in rasantem Tempo miteinander abwechseln, dieser Baum als Nationalpflanze auserwählt wurde.
Leider ist Herr Sato bereits 1977 im Alter von nur 47 Jahren verstorben, aber sein Traum lebt in Gestalt des Sakura michi weiter.

Auswahlverfahren der Teilnehmer
Bis Mitte November müssen die Teilnehmer ihre Bewerbungen abgegeben haben und dann erfolgt das Auswahlverfahren. Über 300 japanische Läufer möchten jedes an diesem Laufklassiker teilnehmen, aber nur 100 werden zugelassen. Außerdem kommen noch 23 ausländische Starter in den Genuss hier teilnehmen zu dürfen. Hubert Karl vom TV Zeil hatte in den 90er Jahren schon fünfmal an der Veranstaltung teilgenommen und gehörte zum fünfköpfigen deutschen Starterfeld. Über die Auserwählten entscheidet Hiroshi Ogo, der das Rennen ins Leben gerufen hat und für den sportlichen Teil die Verantwortung trägt.

Daheim bei Herrn Ogo
Das Startgeld für das Lauferlebnis beträgt 45000 Yen, was umgerechnet etwa 400 € sind. Alle gemeldeten Nicht-Japaner erhalten die Gelegenheit, einige Nächte vor dem Rennen im Hause von Herrn Ogo kostenfrei zu wohnen. Hier im ruhigen Hinterland kann man sich noch etwas entspannen vor dem langen Rennen. Die Nacht vor dem Wettkampfauftakt verbringen dann alle Läufer in einem Hotel in Nagoya, in dem auch die Vorstellung der einzelnen Starter für die Presse erfolgt. Fünf Minuten Fußweg vom Hotel entfernt wurden dann am Samstagmorgen um 6 Uhr am Wahrzeichen der Stadt, dem Castle Nagoya, die Mutigen auf die Strecke geschickt.

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Ein Lauf durch die vier Jahreszeiten
So starteten die Teilnehmer bei angenehmen, aber schwülen Temperaturen, die sich am Nachmittag auf 25 ° hochschraubten. Die Straßen sind für die Veranstaltung nicht gesperrt, das bedeutet, dass – für hiesige Rennen nicht vorstellbar – an roten Ampeln gewartet wird. Allein ca. 40 Ampelanlagen mussten die Athleten durch Nagoya und seine Vororte passieren. Dies wird von den Läufern mit einer bemerkenswerten Lässigkeit aufgenommen, da es regelmäßig mehr oder weniger alle gleich trifft. So nutzt man die Zeit einfach für Dehnübungen oder einem Schwätzchen mit den Mitstreitern. Auffallend ist auch die große Anzahl von bis zu vier Kilometer langen Tunneln, die zum Teil keinen Bürgersteig haben und eine hohe Konzentration erfordern.

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Alle 40 km ein Stückchen Heimat: Ein halber Liter alkoholfreies Göller-Hefeweissbier zur Stärkung

Ein übermäßiges Angebot
Der Kurs ist durchaus profiliert, es sind zwei Pässe mit 1000 und 600 Metern Höhe in den japanischen Alpen zu überwinden und die Gesamthöhenmeter belaufen sich auf knapp 3000. Die Verpflegung erfolgt über 42 Verpflegungsstellen, die fast keine Wünsche offenlassen und an denen auch die vom Teilnehmer hinterlegte warme Kleidung für die Nacht verwahrt wird. Als besonders angenehm wird von den Aktiven das Reichen gekühlter, feuchter Handtücher in der Tages-, sowie erwärmter in der Nachtzeit empfunden. Auch frisches Obst in verschiedenen Variationen, sowie japanische Suppen mit Seetangreisröllchen wird dort, neben einer großen Auswahl an Getränken, angeboten. Weiterhin bemerkenswert: Den 120 Teilnehmern stehen ca. 1500 Helfer und Offizielle gegenüber.

Schutz im Tunnel
Nach 107 Kilometern erreicht man Shirotori, Geburtsort des Busfahrers und erster Checkpoint für die Läufer. Wer an den vier festgelegten Checkpoints sich nicht in den vorgegebenen Zeitlimits bewegt, muss das Rennen beenden. Nun geht es in die lange Nacht und der erste Pass ist zu bewältigen. Ein beeindruckendes Schauspiel kann man am höchsten Punkt des Rennens, nach 130 Kilometern bewundern – die Wasserscheide – diese trennt den Pazifik vom japanischen Meer. Das Teilnehmerfeld ist hier schon sehr weit auseinander und es ist sehr einsam, kaum Verkehr, die angenehme Ruhe wird nur durch die alle fünf bis acht Kilometer auftauchenden Verpflegungsstationen unterbrochen.
Die Nacht blieb sehr mild und die angekündigten Minustemperaturen blieben aus. Dass man in den Bergen immer wieder mit sich schnell verändernden Wetterverhältnissen rechnen muss, ist bekannt. Dies bekamen auch die Läufer zu spüren die sich zu diesem Zeitpunkt in der zweiten Leistungsgruppe befanden, darunter auch Hubert Karl. Starker Wind machte ihnen das Laufen schwer und der Wind wuchs zu Orkanstärke, ließ alles mögliche durch die Gegend fliegen, drei Verpflegungsstationen mussten ohne ihre davonfliegenden Überdachungszelte auskommen. Vorsicht war geboten und viele Läufer blieben lieber in den Tunnels und warteten bis sich der Sturm wieder gelegt hatte. Man nahm lieber das Auskühlen in Kauf als von einem Trümmerteil getroffen zu werden.

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Bis zum letzten Kirschbaum
Auch die Bevölkerung nimmt den Sakura michi begeistert an. Auf den Straßen salutieren Schulklassen, spielen Kapellen, jubeln Pfadfindergruppen. Der am meisten gehörte Zuruf ist das japanische „Gambatte“, was so viel wie „Kampf“ oder „Gib-dein-Bestes“ bedeutet und meistens von einem kräftigen Applaus für die Läufer begleitet wird. Das Zeitlimit beträgt 36 Stunden. Ein von Herrn Sato seinerzeit gepflanzter Kirschbaum im Kenrouken-Park in Kanazawa ist das Ziel des Unterfangens. Während der Abschlusszeremonie wird ein neuer Kirschbaum gepflanzt, es gibt für jeden Teilnehmer eine aus Kirschbaumholz gefertigte Urkunde und als Siegermahl traditionsgemäß Sushi, verschiedene rohe Fischhäppchen mit allen erdenklichen japanischen Spezialitäten und natürlich wohlschmeckendes japanisches Asahi-Bier vom Fass.

Nach 34 Stunden und 37 Minuten hatte Hubert Karl das Ziel in Kanazawa erreicht und belegte mit Rang 53 einen Platz im Mittelfeld. 82 der 120 gestarteten Läufer erreichten im Zeitlimit den Kirschbaum im Ziel. Sieger des Rennens wurde in erstaunlichen 23:57 Stunden der Japaner Takehiro Matsushita.

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Die Kirschblütenstrasse zeigte sich von ihrer schönsten Seite kurz vor Kanazawa



Meiningers International Craft Beer Award 2018

1090 Biere aus 28 Nationen waren im Wettbewerb
- die Brauerei Göller
wurde mit 2 Medaillen
ausgezeichnet:

Rauchbier - GOLD
(das dritte Jahr in Folge)
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