Eher soll die Welt verderben, als vor Durst ein Steinhauer sterben!
Steinhauer Weisse auf dem Weg zur Natursteinmesse

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Zeil (wo) „Eher soll die Welt verderben, als vor Durst ein Steinhauer sterben!“ So steht es auf jeder Flasche Weißbier der „Steinhauer Weisse“ der Brauerei Göller in Zeil. War es bisher nur in der fränkischen Region bekannt, so könnte es einen nationalen Siegeszug antreten. Die monatliche Fachzeitschrift für alle Belange der Arbeit mit und der Anwendung von Naturwerkstein, für Steinmetze, Stein- und Holzbildhauer, Restauratoren und Denkmalpfleger startete jüngst in Deutschland eine Werbeaktion über „Bier mit Steinbezug“ und ist dabei auch auf die „Steinhauer Weisse“ der Zeiler Brauerei Göller gestoßen. In der April-Ausgabe diesen Jahres wurde das Weiß-Bier aus Zeil neben einer anderen Brauerei aus Görlitz vorgestellt.

Der zuständige Redakteur Sebastian Hemmer aus dem Verlagshaus Ebner Ulm besuchte am Dienstagmittag die Zeiler Brauerei. Für die Mitglieder der Zeiler Steinhauer war es deshalb eine ehrenvolle Pflicht in Kluft zu erscheinen. In einer der kommenden Ausgaben der Zeitschrift wird über dieses Zusammentreffen berichtet. Aber mehr noch, vom 22. bis 25. Juni findet in Nürnberg im Messezentrum die Stone+tec, die interntionale Fachmesse für Naturstein und Natursteinbearbeitung statt. Fast 700 Aussteller zeig(t)en in sieben Hallen, was die Branche kann und braucht.
Im Stand der Zeitschrift „Naturstein“ Halle 1, Stand 364) wird die Steinhauer Weiße aus- beziehungsweise verschenkt. Bei Kicker-Turnieren winken mehrere Flachen im Trägerset.
Steinhauer Zunftmeister und Zeiler Steinmetz Andreas Brecht besucht mit seinen Söhnen, die auch in der gleichen Branche arbeiten, diese Messe. Zuvor aber stellte er im Zeiler Brauereibiergarten seine Vereinsmitglieder vor.

Eva Göller, die den Gast mit den notwendigen „Steinhauer-Weissen“ für die Steinmesse ausstattete, wies darauf hin, dass unter den Steinhauer-Mitgliedern Heinrich Weisel sei, der sich in den letzten Jahren mit der Geschichte der Zeiler Steinhauer auseinander gesetzt hatte, und seine Forschungen in drei Büchern niedergeschrieben hatte.

So konnte er dem Gast berichten, dass sich eine nahezu 1000-jährige Tradition für das hiesige Handwerk nachweisen lässt. Aus den ältesten schriftlichen Belegen gehe hervor, dass die Zeiler Meister der Steinhauer, Maurer und Dachdecker mit ihren Gesellen und Lehrjungen ursprünglich dem Bamberger Handwerk zugehörig waren. Als die hiesigen Handwerksbetriebe zahlenmäßig immer mehr anwuchsen, erhielten sie am 28. September 1700 vom Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn eine eigene Zunftordnung, wurden von der Bamberger Zunft abgetrennt und wurden selbständig. Diese frühere Zugehörigkeit zu Bamberg war auch der Grund, daß beim Festzug anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Bamberg im Jahr 1973 eine vielbeachtete Gruppe von Zeiler Steinhauern teilnahm und dabei mit starkem Beifall bedacht wurde. Viele dieser Männer, die noch selbst oder deren Vorfahren diesen alten Beruf ausübten, trafen sich dann immer wieder zu Auftritten bei kirchlichen oder profanen Anlässen und fanden Gefallen an der Idee, diese alte Zeiler Berufstradition in Erinnerung zu halten. Im Jahr 1986 ließen sie sich sogar beim Amtsgericht in Haßfurt als gemeinnütziger Verein unter dem Namen „Zeiler Steinhauer e.V.“ registrieren. Als Aufgaben wurden die Erhaltung von Brauchtum und Sitte des Zeiler Steinhauerhandwerks sowie die Pflege des einschlägigen Liedguts festgeschrieben, die sie bis heute noch wahrnehmen.

Weisel befasste sich anschließend mit dem Beruf des Beruf des Steinhauers. So sei die Arbeit in den Steinbrüchen und auf den Werkplätzen körperlich sehr anstrengend gewesen, schweißtreibend und auch gefährlich. Der bei der Steinbearbeitung entstehende und eingeatmete Staub und die dadurch verursachte Staublunge führte oft zu frühem Tod (häufig schon mit 40 – 45 Jahren) oder zu Invalidität. Dagegen gab es nur ein wirksames Mittel, trinken, trinken, trinken. In einem amtlichen Lungentuberkulose-Schutzblatt wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts gefordert, dass der Steinstaub bei der Arbeit ständig mit Wasser hinunter geschwemmt werden solle, doch die Steinhauer tranken lieber statt Quellwasser „gemalztes Wasser“, d.h. ein besser schmeckendes Bier. Dadurch habe sich, wie Weisel bekräftigte, im 19. und 20. Jahrhundert während der Hochkonjunktur der hiesigen Steinindustrie ganz automatisch ein entsprechender Bierverbrauch, sicher zur Freude der hiesigen Brauereien ergeben.

Seit die Familie Göller die Zeiler Brauerei in Familienbesitz übernahm, habe es bis heute viele Anlässe geben, bei denen die Zeiler Steinhauer und die Brauerei Göller gleiche Interessen hatten, und dies sei bis in die heutige Zeit so geblieben. Es sei nur an das Jahr 2001 erinnert, in dem ein neues Göller-Weißbier gebraut und als „Steinhauer Weisse“ auf den Markt gebracht wurde und die Zeiler Steinhauer dafür die Patenschaft gerne übernahmen.

Für die Zukunft hätten die Zeiler Steinhauer noch den einen Wunsch, dass es auch weiterhin ein süffiges und bekömmliches Göller-Bier gebe, damit der Spruch auf dem Etikett der „Steinhauer Weisse“ dann immer noch Gültigkeit habe, „Eher soll die Welt verderben, als vor Durst ein Steinhauer sterben!“

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Andreas Brecht zeigte dem Gast aus Ulm einige aus Zeiler Sandstein gefertigte Krüge mit der Aufschrift „Steinhauer Weisse“. Das Originellste aber war die „Geburtsurkunde“ des nämlichen Bieres, wo auf der Steintafel folgendes steht: Name: Steinhauer Weisse, Geburtsort: Zeil am Main, Geburtstag: 30.03.2001, Erzeuger: Franz-Josef Göller, Geburtshelfer: Ralph Zimmermann, Gewicht: 12 % Stammwürze, Eigenschaften: süffig und kräftig, Hauptmerkmal: schmeckt immer, empfehlenswert: täglich 1 Maß, Unterschrift: Zeiler Steinhauer.
Damit der Redakteur Sebastian Hemmer der der Fachzeitschrift „Naturstein“ die Zeiler Steinhauer nicht aus den Gedanken verliert, schenkte Andreas Brecht ihm für seinen Schreibtisch im Beisein von Eva Göller einen Briefbeschwerer mit dessen Namenszug, oben mit Löchern versehen zum Halten von Schreibwerkzeugen.

Das gemeinsam gesungene Zeiler Steinhauerlied ließ nun die Feier ausklingen.

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Text und Bilder: W. Ortloff


Meiningers International Craft Beer Award 2018

1090 Biere aus 28 Nationen waren im Wettbewerb
- die Brauerei Göller
wurde mit 2 Medaillen
ausgezeichnet:

Rauchbier - GOLD
(das dritte Jahr in Folge)
Kaiser Heinrich Urstoff - SILBER